Supraperiostale Injektion
Bei der supraperiostalen Injektion wird Filler direkt auf die Knochenhaut eingebracht, also in die tiefste erreichbare Schicht des Gesichts. Sie dient dem Aufbau von Struktur an Wangenknochen, Kieferlinie und Kinn und gilt als die Technik, mit der sich Volumenverlust am Knochen ausgleichen lässt.
Die Schicht
Das Gesicht ist in Schichten aufgebaut: Haut, oberflächliches Fett, Muskel und Bindegewebe, tiefes Fett und darunter die Knochenhaut. Wird die Nadel bis auf den Knochen geführt und dort abgelegt, liegt das Depot unter allen beweglichen Strukturen. Es dient als Fundament, auf dem die darüber liegenden Gewebe aufliegen.
Warum so tief
Mit den Jahren verliert nicht nur die Haut an Spannung, auch der Knochen verändert seine Form, und tiefe Fettkompartimente werden kleiner. Wird nur oberflächlich aufgefüllt, entsteht Fülle ohne Struktur, das Gesicht wirkt schwer. Der Aufbau in der Tiefe stellt dagegen die tragende Kontur wieder her, an der sich die Haltebänder orientieren.
Technik
Verwendet werden feste Gele mit hohem G Prime. Die Injektion erfolgt meist mit einer scharfen Nadel senkrecht bis auf den Knochen, in kleinen Depots und mit langsamem Vorschub. Vor der Abgabe wird häufig ein Aspirationstest durchgeführt. In gefäßreichen Zonen wird alternativ mit einer Mikrokanüle gearbeitet.
Typische Zonen
Behandelt werden der Jochbeinbereich beim Wangenaufbau, der Kieferwinkel und die Kieferlinie, das Kinn, siehe Kinnkorrektur, sowie die Schläfenregion. Auch bei der Behandlung der Nasolabialfalte wird häufig zuerst die Zone oberhalb aufgebaut, statt die Falte selbst zu füllen.
Sicherheitsaspekte
In der Tiefe verlaufen Gefäße und Nervenaustrittspunkte, etwa am Kinn und unterhalb der Augenhöhle. Kenntnis dieser Punkte ist Voraussetzung. Trotz sorgfältiger Technik bleibt das Risiko eines vaskulären Verschlusses bestehen, weshalb Notfallmaterial mit Hyaluronidase vorhanden sein muss. Weitere mögliche Folgen sind Blutergüsse, die in der Tiefe größer ausfallen können, sowie Druckgefühl in den ersten Tagen.
Abgrenzung zu oberflächlichen Techniken
Oberflächliche Injektionen glätten Textur und feine Linien, siehe Skin Booster. Mittlere Schichten füllen Fettkompartimente auf. Die supraperiostale Ebene baut Struktur auf. In der Praxis werden die Ebenen kombiniert, wobei in der Regel von tief nach oberflächlich gearbeitet wird.
Häufige Fragen
Ist die Injektion auf den Knochen schmerzhaft?
Sie wird als Druck empfunden. Betäubungscreme und im Gel enthaltenes Lokalanästhetikum mildern das.
Hält Filler dort länger?
In ruhigen tiefen Zonen hält er häufig länger als in bewegten oberflächlichen Bereichen.
Wie viel Material ist nötig?
Das hängt vom Befund ab. Für strukturellen Aufbau werden meist mehrere Depots pro Seite gesetzt.
Kann man das Material wieder entfernen?
Hyaluronsäure ja, mit Hyaluronidase. Bei anderen Materialien ist das nicht möglich.
Warum sehe ich direkt danach kaum einen Unterschied?
Struktureller Aufbau wirkt subtiler als oberflächliches Auffüllen. Das Ergebnis zeigt sich meist erst nach Abklingen der Schwellung über ein bis zwei Wochen.
Sind Blutergüsse dabei häufiger?
Sie können größer ausfallen, weil in der Tiefe gearbeitet wird. Sichtbar werden sie oft erst nach ein bis zwei Tagen.
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