Vaskulärer Verschluss
Ein vaskulärer Verschluss ist die Verlegung eines Blutgefäßes durch Füllmaterial im Rahmen einer Unterspritzung. Das Gefäß wird dabei entweder direkt gefüllt oder von außen so stark zusammengedrückt, dass die Durchblutung stockt. Es handelt sich um die schwerwiegendste Komplikation der Fillerbehandlung und um einen medizinischen Notfall, der sofort ärztlich versorgt werden muss.
Wie es dazu kommt
Bei jeder Injektion liegt die Nadel oder Kanüle in einem Gewebe, das von feinen Arterien durchzogen ist. Trifft die Spitze ein Gefäß und wird dann Material abgegeben, gelangt dieses in die Strombahn und verlegt sie. Möglich ist auch eine Verlegung von außen, wenn eine große Menge auf engem Raum eingebracht wird und ein Gefäß dauerhaft zusammendrückt. Das versorgte Hautareal erhält in beiden Fällen zu wenig Sauerstoff. Bleibt der Zustand bestehen, kann Gewebe absterben.
Warnzeichen
Typisch ist ein sofort einsetzender, ungewöhnlich starker Schmerz, der nicht zur üblichen Empfindung bei der Behandlung passt. Die Haut wird auffällig blass, teils weißlich, und zeigt anschließend eine netzartige, livide Zeichnung. Später können sich dunkle Verfärbungen, Blasen und Krusten entwickeln. Alarmierend sind zusätzlich Sehstörungen, Doppelbilder, Schmerzen im Auge oder plötzliche Sehverschlechterung sowie Beschwerden, die über das Injektionsgebiet hinausgehen. Wichtig ist: Nicht jeder dieser Hinweise tritt sofort auf, manche Verläufe beginnen erst mit Verzögerung. Weitere Zeichen, die nicht abgewartet werden sollten, führt die Seite zu den Warnsignalen nach der Behandlung auf.
Vorgehen im Ernstfall
Der Verdacht allein rechtfertigt sofortiges Handeln, es wird nicht abgewartet, ob sich die Haut von selbst erholt. Die Injektion wird abgebrochen und unverzüglich ärztliche Hilfe hinzugezogen, bei Sehstörungen sofort augenärztliche Notfallversorgung. Besteht das Material aus Hyaluronsäure, ist Hyaluronidase das entscheidende Gegenmittel, das großzügig in das betroffene Gebiet eingebracht wird, oft wiederholt. Je früher das geschieht, desto besser sind die Aussichten. Wer eine Unterspritzung erwägt, sollte vorab wissen, dass die behandelnde Praxis dieses Mittel vorrätig hält und den Notfallablauf beherrscht. Selbstbehandlung mit Wärme, Massage oder Hausmitteln ersetzt das nicht.
Zonen mit erhöhtem Risiko
Als besonders heikel gelten Regionen, in denen Gefäße mit Verbindung zur Augenversorgung verlaufen, vor allem der Bereich zwischen den Augenbrauen, der Nasenrücken und die Nasenumgebung sowie die Falte zwischen Nase und Mundwinkel. Auch Behandlungen an einer voroperierten Nase gelten als anspruchsvoll, weil die Gefäßverläufe dort verändert sein können. Das bedeutet nicht, dass diese Zonen unbehandelbar wären, sie verlangen aber anatomische Erfahrung und ein zurückhaltendes Vorgehen.
Was das Risiko senkt
Wesentlich sind gute Kenntnis der Gefäßverläufe, langsames Injizieren mit geringem Druck, kleine Mengen pro Abgabe und das bewusste Zurückziehen und Neuansetzen bei Widerstand. Der Einsatz einer Mikrokanüle mit stumpfer Spitze kann in geeigneten Regionen das Risiko verringern, weil sie Gefäße eher zur Seite schiebt als sie zu durchstechen. Eine Garantie gibt es nicht, weshalb die Aufklärung über diese Komplikation zu jeder Fillerbehandlung gehört. Eine Übersicht der Verfahren bietet die Seite zu den Filler Injektionen.
Häufige Fragen
Wie häufig ist ein vaskulärer Verschluss?
Er gilt als seltene Komplikation, ist aber bei jeder Fillerbehandlung grundsätzlich möglich. Belastbare Häufigkeitsangaben unterscheiden sich je nach Region und Untersuchung erheblich.
Ist starker Schmerz immer ein Warnzeichen?
Nicht zwangsläufig, er gehört aber zu den Hinweisen, die sofort ärztlich beurteilt gehören statt abgewartet zu werden.
Lässt sich jedes Material auflösen?
Nein. Nur Hyaluronsäure lässt sich mit Hyaluronidase abbauen. Bei anderen Materialien fehlt dieses Gegenmittel, was bei der Produktwahl eine Rolle spielt.
Kann ich vorbeugend etwas tun?
Sie können auf ärztliche Durchführung, Aufklärung und die Verfügbarkeit von Hyaluronidase achten und Warnzeichen kennen. Den Eingriff selbst risikofrei machen können Sie nicht.
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