Kapsulektomie
Die Kapsulektomie ist die operative Entfernung der Bindegewebskapsel, die der Körper um ein Brustimplantat bildet. Sie ist ein eigener Eingriff und nicht mit der Entfernung des Implantats gleichzusetzen, wird aber häufig gemeinsam mit ihr durchgeführt. Abzugrenzen ist die Kapsulotomie, bei der die Kapsel nur eingeschnitten und damit erweitert wird.
Was die Kapsel ist
Um jeden Fremdkörper bildet der Körper eine Hülle aus Bindegewebe. Bei Brustimplantaten ist diese Kapsel zunächst dünn und weich und stört nicht. Erst wenn sie schrumpft und sich verhärtet, entsteht das Bild der Kapselfibrose mit Verformung und Schmerz. Auch Verkalkungen oder chronische Flüssigkeitsansammlungen können die Kapsel verändern.
Anlässe für die Entfernung
Häufigster Grund ist eine ausgeprägte Kapselfibrose. Weitere Anlässe sind eine Implantatruptur mit Silikon in der Kapsel, ein spät aufgetretenes Serom, der Verdacht auf ein BIA ALCL, wiederholte Infektionen oder eine Fehllage, bei der die Tasche neu geformt werden muss, etwa bei Symmastie oder Bottoming out. In diesen Fällen dient die Entfernung zugleich der Neugestaltung der Tasche.
Teilweise oder vollständig
Bei der partiellen Form wird nur der veränderte Anteil entfernt, häufig die vordere Kapselwand. Bei der totalen Form wird die gesamte Kapsel gelöst, also auch der Anteil an der Brustwand, was aufwendiger ist und näher an Rippen und Rippenfell arbeitet. Wird die Kapsel samt Implantat als geschlossene Einheit entnommen, spricht man von der En bloc Explantation. Der Umfang wird nach Befund entschieden, nicht pauschal.
Ablauf und Aufwand
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, in der Regel über die Unterbrustfalte. Die Dauer liegt deutlich über der einer Erstvergrößerung, weil die Kapsel schichtweise vom umgebenden Gewebe gelöst wird. Häufig wird eine Drainage eingelegt. Ob im selben Eingriff ein neues Implantat eingesetzt wird, ob eine Straffung ergänzt oder mit Eigenfett aufgefüllt wird, gehört zur Planung.
Risiken und Heilung
Die Kapsel enthält keine eigenen Gefäße im Sinne eines Organs, ihre Ablösung von der Brustwand erzeugt aber eine große Wundfläche. Genau daraus ergeben sich die typischen Punkte der Nachsorge: konsequente Kompression, Geduld beim Wiederaufbau der Belastung und die Bereitschaft, sich bei Auffälligkeiten früh vorzustellen. Typisch sind stärkere Schwellung und Blutergüsse als beim Ersteingriff, dazu das Risiko einer Nachblutung. Bei der Präparation an der Brustwand besteht die seltene Gefahr einer Verletzung des Rippenfells. Da mehr Gewebe gelöst wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Serombildung erhöht. Die Schonungszeit ist länger, Warnzeichen finden Sie unter Warnsignale nach der Operation.
Häufige Fragen
Muss die Kapsel bei jedem Implantatwechsel entfernt werden?
Nein. Eine dünne, weiche Kapsel bleibt in der Regel erhalten, siehe Implantatwechsel.
Kann sich eine neue Kapsel bilden?
Ja. Um jedes neu eingesetzte Implantat bildet sich wieder eine Kapsel, das ist ein normaler Vorgang.
Was passiert mit der Brustform ohne Implantat?
Nach der Entfernung wirkt die Brust zunächst leer und braucht Zeit. Über eine Straffung wird meist erst später entschieden.
Ist der Eingriff schmerzhafter als die Erstoperation?
Häufig ja, weil mehr Gewebe gelöst wird. Die Schmerztherapie wird darauf abgestimmt.
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