BIA-ALCL
BIA-ALCL steht für "Breast Implant Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma", also ein seltenes anaplastisches großzelliges Lymphom in Verbindung mit Brustimplantaten. Es handelt sich nicht um Brustkrebs, sondern um eine Erkrankung des Immunsystems, die in der Bindegewebskapsel um das Implantat entsteht. Typischerweise tritt sie mehrere Jahre nach der Implantation auf, im Durchschnitt etwa acht bis zehn Jahre danach.
Ursachen und Zusammenhang mit Implantaten
BIA-ALCL ist fast ausschließlich mit texturierten, also aufgerauten Implantatoberflächen assoziiert. Bei rein glatten Implantaten ist nach derzeitigem Kenntnisstand kein Fall bekannt, der eindeutig allein auf ein glattes Implantat zurückgeht. Als Erklärungsansatz wird eine chronische Entzündungsreaktion an der texturierten Oberfläche diskutiert, möglicherweise begünstigt durch einen bakteriellen Biofilm. Aufgrund des Zusammenhangs haben Hersteller bestimmte stark texturierte Modelle vom Markt genommen.
Die Erkrankung betrifft sowohl Implantate, die zur ästhetischen Vergrößerung eingesetzt wurden, als auch solche nach Brustrekonstruktion. Entscheidend für das Risiko ist nach derzeitigem Wissen die Beschaffenheit der Oberfläche, nicht der Füllstoff. Da die Entzündungsreaktion über Jahre verläuft, tritt BIA-ALCL nicht akut, sondern mit deutlicher zeitlicher Verzögerung nach der Implantation auf. Wichtig ist die Einordnung, dass die große Mehrheit der Frauen mit texturierten Implantaten nie an BIA-ALCL erkrankt.
Symptome
Das häufigste Anzeichen ist eine späte, meist einseitige Schwellung durch eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat, ein sogenanntes Spätserom. Seltener zeigt sich ein tastbarer Knoten, ein fester Tumor, Schmerzen, eine Hautveränderung oder geschwollene Lymphknoten. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden erst Jahre nach einer zunächst beschwerdefreien Zeit auftreten.
Diagnose
Bei Verdacht folgt nach der körperlichen Untersuchung eine Bildgebung mit Ultraschall oder Magnetresonanztomografie, um Flüssigkeit oder Knoten um das Implantat und in den Lymphknoten zu beurteilen. Findet sich ein Serom, wird die Flüssigkeit über eine Punktion gewonnen und untersucht. Entscheidend ist der Nachweis des Markers CD30 durch einen Pathologen, der die Diagnose bestätigt oder ausschließt.
Die Untersuchung der Seromflüssigkeit ist der zentrale Schritt, weil sich die Tumorzellen typischerweise in dieser Flüssigkeit finden. Eine Schwellung um das Implantat hat in der überwiegenden Zahl der Fälle harmlose Ursachen, dennoch sollte ein spätes Serom immer abgeklärt und nicht ohne Diagnostik nur abpunktiert werden. Wird BIA-ALCL bestätigt, schließen sich weitere Untersuchungen an, um das Stadium und eine mögliche Ausbreitung in Lymphknoten oder andere Regionen zu bestimmen.
Behandlung und Prognose
In frühen Stadien lässt sich BIA-ALCL durch die vollständige operative Entfernung des Implantats und der gesamten umgebenden Kapsel (komplette Kapsulektomie) heilen. Ist die Erkrankung fortgeschritten oder hat sie sich ausgebreitet, kommen zusätzlich Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz. Bei früher Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose günstig.
Vorbeugung und Nachsorge
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, da auch das individuelle Risiko nicht vorhergesagt werden kann. Die Wahl der Implantatoberfläche und eine sterile Operationstechnik spielen eine Rolle. Wichtig ist die Nachsorge: Bei einer neuen, einseitigen Schwellung Jahre nach der Implantation sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden, ob ein Serom vorliegt. Ein generelles Entfernen unauffälliger texturierter Implantate allein zur Vorbeugung wird in der Regel nicht empfohlen.
Häufige Fragen
Ist BIA-ALCL Brustkrebs? Nein. Es handelt sich um ein Lymphom, also eine Erkrankung von Zellen des Immunsystems, und nicht um einen Tumor des Brustdrüsengewebes.
Wie häufig ist BIA-ALCL? Die Erkrankung ist selten und tritt nahezu nur bei texturierten Implantaten auf. Genaue Angaben zur Häufigkeit schwanken je nach Implantattyp und Studie, weshalb hier auf konkrete Zahlen verzichtet wird.
Muss ich meine Implantate vorsorglich entfernen lassen? Bei beschwerdefreien Implantaten wird eine reine Vorsorge-Entfernung meist nicht empfohlen. Besprechen Sie Ihren individuellen Fall mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Siehe auch
Weitere Begriffe im Glossar Plastische Chirurgie oder zurück zur Sanoplast-Übersicht.
Weitere Artikel
Plastische Chirurgen Berlin
Empfohlene Plastische Chirurgen in Berlin: zertifizierte Fachärzte, Auswahl-Kriterien, typische Kosten und Tip…
Mehr erfahren →Hängebrüste: Ursachen, Grade & Behandlung
Hängebrüste, Ursachen, Schweregrade & Behandlung. Mastopexie, Implantate & Kosten der Bruststraffung im Überbl…
Mehr erfahren →Brustimplantate oder Eigenfett
Implantate oder Eigenfett für die Brustvergrößerung: Volumengewinn, Natürlichkeit, Haltbarkeit und realistisch…
Mehr erfahren →En bloc Explantation: Implantat samt Kapsel
En bloc Explantation erklärt: Entfernung von Implantat und Kapsel als geschlossene Einheit, sinnvolle Anlässe,…
Mehr erfahren →