Biofilm
Ein Biofilm ist eine Ansammlung von Bakterien, die sich an einer Oberfläche festsetzen und sich mit einer schützenden Schleimschicht umgeben. In der ästhetischen Medizin ist er als mögliche Ursache später Entzündungen nach Fillerbehandlungen und bei Implantaten von Bedeutung, weil er sich der üblichen Abwehr und vielen Medikamenten entzieht.
Entstehung
Bakterien gelangen bei der Injektion oder Operation in geringer Zahl in das Gewebe, etwa von der Haut, aus Talgdrüsen oder aus der Mundhöhle. Findet sich dort eine Oberfläche wie ein Gelbestandteil oder eine Implantathülle, können sie anhaften und eine Schutzschicht bilden. Darin wachsen sie langsam, was erklärt, weshalb Beschwerden oft erst spät auftreten.
Warum er schwer zu behandeln ist
Die Schleimschicht behindert das Eindringen von Antikörpern und Antibiotika. Zudem sind die Bakterien im Inneren wenig aktiv, während viele Antibiotika vor allem auf wachsende Keime wirken. Ein Nachweis über die übliche Kultur gelingt häufig nicht, was die Diagnose erschwert und den Verdacht oft zu einer Ausschlussdiagnose macht.
Bedeutung bei Fillern
Diskutiert wird der Biofilm als eine Ursache später entzündlicher Knoten, siehe Spätgranulom. Auffällig ist, dass Beschwerden oft im Zusammenhang mit Infekten oder Zahnbehandlungen auftreten, also wenn das Immunsystem anderweitig gefordert ist. Ob im Einzelfall ein Biofilm vorliegt, lässt sich selten beweisen, weshalb die Behandlung beide Möglichkeiten berücksichtigt.
Bedeutung bei Implantaten
Bei Brustimplantaten wird eine bakterielle Besiedlung der Tasche als ein Faktor für die Entstehung einer Kapselfibrose diskutiert. Daraus haben sich Vorgehensweisen entwickelt, die die Keimbelastung während der Operation gering halten sollen, etwa das Spülen der Tasche und der sparsame Umgang mit dem Implantat vor dem Einsetzen.
Vorbeugung
Wesentlich sind saubere Hautdesinfektion, Entfernen von Make up vor der Behandlung, steriles Arbeiten, der Verzicht auf Injektionen in entzündete Areale und Zurückhaltung bei Behandlungen kurz vor oder nach Zahneingriffen. Auch Behandlungen außerhalb medizinischer Räume erhöhen das Risiko, siehe Filler Injektionen.
Behandlung
Bei Verdacht wird häufig eine antibiotische Therapie eingeleitet, bei Hyaluronsäure zusätzlich das Material mit Hyaluronidase aufgelöst, um dem Biofilm die Oberfläche zu entziehen. Kortison allein gilt als kritisch, weil es eine bakterielle Ursache verschleiern kann. Bei Implantaten kann eine Kapsulektomie mit Wechsel erforderlich werden.
Häufige Fragen
Ist ein Biofilm dasselbe wie eine Infektion?
Nicht ganz. Eine akute Infektion verläuft rasch und deutlich, ein Biofilm eher schleichend und spät.
Kann man ihn nachweisen?
Der Nachweis ist schwierig. Übliche Kulturen bleiben oft ohne Ergebnis.
Schützen Antibiotika vor jeder Injektion?
Nein, eine pauschale Gabe ist nicht üblich und nicht sinnvoll. Entscheidend sind saubere Arbeitsbedingungen.
Muss Fillermaterial immer entfernt werden?
Bei auflösbarem Material ist die Entfernung ein wichtiger Baustein. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt.
Sollte ich Termine bei Zahnarzt und Kosmetik abstimmen?
Ein zeitlicher Abstand von einigen Wochen zwischen Zahneingriffen und Fillerbehandlungen ist ein verbreiteter Vorsichtsschritt. Sprechen Sie geplante Termine im Vorfeld an.
Betrifft das Thema auch Fäden und andere Materialien?
Grundsätzlich kann sich auf jedem eingebrachten Material ein Biofilm bilden. Das gilt für Implantate, Fäden und Filler gleichermaßen.
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