Sekundäre Wundheilung
Von sekundärer Wundheilung spricht man, wenn eine Wunde nicht durch Naht verschlossen wird, sondern offen von der Tiefe her ausheilt. Der Körper füllt den Defekt mit neuem Gewebe auf und überzieht ihn anschließend mit Haut. Der Vorgang dauert länger als der Verschluss durch Naht und hinterlässt eine breitere Narbe.
Unterschied zur primären Heilung
Bei der primären Heilung liegen die Wundränder durch Naht aneinander, es entsteht eine schmale Narbe innerhalb weniger Wochen, siehe Wundheilungsphasen. Bei der sekundären Heilung klafft der Defekt, und der Körper muss die Lücke erst mit Granulationsgewebe füllen. Die Heilungsphasen sind dieselben, sie laufen nur länger und sichtbarer ab.
Wann sie zum Einsatz kommt
Typisch ist sie nach einer Wundinfektion, bei der die Naht geöffnet werden muss, nach einer Dehiszenz, nach dem Abtragen einer Hautnekrose und bei Wunden unter starker Spannung, bei denen ein erneuter Verschluss wieder aufgehen würde. Auch bei Abszessen wird bewusst offen behandelt, damit Sekret abfließen kann.
Ablauf
Zunächst reinigt der Körper die Wunde, sichtbar an Belägen und Sekret. Dann bildet sich rotes, körniges Granulationsgewebe, das den Defekt von unten auffüllt. Zuletzt wandern Hautzellen vom Rand her über die Fläche und verschließen sie. Je nach Größe dauert das Wochen bis Monate. Ein zwischenzeitlicher Verschluss durch Naht ist möglich, wenn die Wunde sauber und gut durchblutet ist.
Wundversorgung
Im Vordergrund stehen regelmäßige Verbandwechsel nach ärztlicher Anleitung, ein feuchtes Wundmilieu mit passenden Auflagen, das Entfernen abgestorbener Beläge und der Schutz der Wundränder. Hausmittel und Puder sind ungeeignet. Bei ausgedehnten Wunden kommt eine Unterdrucktherapie in Frage, teils gefolgt von einer Deckung mit Haut oder einer Lappenplastik.
Ergebnis und Narbe
Die entstehende Narbe ist breiter, oft eingezogen und unregelmäßiger als nach primärem Verschluss. Sie neigt zudem eher zu Verhärtung, siehe hypertrophe Narbe, und bleibt zunächst gerötet. Nach vollständiger Ausreifung über etwa ein Jahr ist eine Narbenkorrektur möglich, bei der die breite Narbe herausgetrennt und spannungsfrei neu verschlossen wird.
Was den Verlauf beeinflusst
Günstig wirken gute Durchblutung, ausgeglichener Blutzucker, ausreichende Eiweißzufuhr, Entlastung der Region und konsequente Versorgung. Ungünstig wirken Nikotin, siehe Rauchen vor und nach der Operation, Kortison, Mangelernährung, wiederholte mechanische Belastung und ein feuchtes Milieu in Hautfalten. Warnzeichen für eine erneute Verschlechterung finden Sie unter Warnsignale nach der Operation.
Häufige Fragen
Warum wird nicht einfach neu genäht?
Bei Infektion oder Spannung würde die Naht erneut aufgehen. Die offene Heilung ist dann der sicherere Weg.
Wie lange dauert es?
Je nach Größe Wochen bis Monate. Kleine Öffnungen schließen sich deutlich schneller.
Ist das ein Behandlungsfehler?
Nicht automatisch. Wundheilungsstörungen gehören zu den bekannten Risiken größerer Eingriffe.
Darf ich duschen?
Das gibt die Praxis vor und hängt von der Wundauflage ab. Baden ist in der Regel untersagt.
Kann die Narbe später korrigiert werden?
Ja, nach Ausreifung. Eine Korrektur setzt eine reizfreie, stabile Narbe voraus.
Muss ich zum Verbandwechsel in die Praxis?
Häufig ja, teils übernimmt ein Pflegedienst. Eigenständiger Wechsel erfolgt nur nach Anleitung.
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