Pseudogynäkomastie
Bei der Pseudogynäkomastie wirkt die männliche Brust vergrößert, ohne dass Drüsengewebe zugenommen hat. Ursache ist eine Vermehrung des Fettgewebes. Die Abgrenzung zur echten Gynäkomastie ist entscheidend, weil sich Behandlung und Kostenfrage unterscheiden.
Der Unterschied
Echtes Drüsengewebe fühlt sich fest und scheibenförmig an und liegt zentral hinter der Brustwarze. Fettgewebe ist weich und gleichmäßig verteilt. Häufig liegt eine Mischform vor, bei der beide Anteile vorkommen. Nur die Untersuchung klärt, welcher Anteil überwiegt, denn das Erscheinungsbild von außen ist ähnlich.
Ursachen
Im Vordergrund steht Übergewicht mit vermehrtem Fettanteil im Brustbereich. Da Fettgewebe hormonell aktiv ist, kann daraus im Verlauf auch eine echte Drüsenvermehrung entstehen, was die Mischformen erklärt. Weitere Einflüsse sind bestimmte Medikamente, Alkohol und hormonelle Störungen, die vor allem für die echte Form relevant sind.
Untersuchung
Zur Abklärung gehören das Tasten im Seitenvergleich, der Ultraschall der Brust und je nach Befund Laborwerte. Ziel ist, zwischen Fett und Drüse zu unterscheiden und andere Ursachen auszuschließen. Ein einseitiger, harter oder rasch wachsender Befund gehört immer weiter abgeklärt.
Was ohne Operation möglich ist
Da es sich um Fettgewebe handelt, spricht die Pseudoform auf Gewichtsreduktion an. Kraft und Ausdauertraining verändern die Form, lösen einen ausgeprägten Befund aber nicht immer auf, weil Fett nicht gezielt an einer Stelle abgebaut wird. Zur Einordnung des Ausgangswerts siehe BMI Rechner. Erst nach stabilisiertem Gewicht ist eine operative Planung sinnvoll.
Operative Behandlung
Bei überwiegendem Fettanteil steht die Absaugung im Vordergrund, häufig in einer Technik, die faserreiches Gewebe gut löst, siehe power assistierte Liposuktion. Liegt zusätzlich Drüsengewebe vor, wird dieses über einen kleinen Schnitt am Warzenhofrand entfernt. Bleibt nach der Volumenreduktion Haut übrig, entscheidet die Hautretraktion darüber, ob eine Straffung nötig wird. Zur Nachsorge gehört eine Kompressionsweste.
Kostenfrage
Für die echte Gynäkomastie ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenübernahme möglich, siehe Gynäkomastie und Krankenkasse. Bei der reinen Fettvermehrung ohne Drüsenanteil wird die Behandlung in der Regel als ästhetisch eingestuft und ist damit Eigenleistung.
Häufige Fragen
Kann ich den Unterschied selbst tasten?
Ein fester Knoten hinter der Brustwarze spricht für Drüsengewebe. Die Einordnung gehört dennoch in ärztliche Hände.
Verschwindet sie durch Abnehmen?
Häufig deutlich, aber nicht immer vollständig, besonders bei langem Bestehen und nachlassender Hautspannung.
Bleibt eine Narbe?
Bei reiner Absaugung nur kleine Stichinzisionen. Wird Drüsengewebe entfernt, liegt die Narbe am Warzenhofrand.
Kann sie zurückkommen?
Bei erneuter Gewichtszunahme ja, da verbliebene Fettzellen wachsen können.
Hilft gezieltes Brusttraining?
Training kräftigt den Muskel unter dem Fettgewebe und verändert die Form, es baut das Fett an dieser Stelle aber nicht gezielt ab. Sichtbar wird der Unterschied meist erst mit sinkendem Gesamtfettanteil.
Wie lange muss die Kompressionsweste getragen werden?
Üblich sind mehrere Wochen mit abnehmender Tragedauer nach ärztlicher Vorgabe. Sie unterstützt das gleichmäßige Anlegen der Haut.
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