Tumeszenz-Technik
Die Tumeszenz-Technik ist das Standardverfahren der modernen Liposuktion. Vor der eigentlichen Fettabsaugung wird eine große Menge verdünnter Lokalanästhetika-Lösung in das Unterhautfettgewebe injiziert. Das Gewebe schwillt dabei an (lateinisch "tumescere" für anschwellen), wird fester und lässt sich leichter und sicherer absaugen.
Zusammensetzung der Tumeszenzlösung
Die Tumeszenzlösung besteht typischerweise aus mehreren Komponenten:
- Lidocain als Lokalanästhetikum zur Schmerzausschaltung
- Adrenalin (Epinephrin) zur Gefäßverengung und damit Reduktion der Blutung
- Bicarbonat zur pH-Pufferung
- Kochsalzlösung als Trägermedium
Wie die Technik wirkt
Das Adrenalin verengt die kleinen Blutgefäße im Behandlungsareal und verringert so Blutungen während des Eingriffs. Zugleich verzögert die Gefäßverengung den Abtransport des Lidocains, sodass die örtliche Betäubung über mehrere Stunden anhält. Die Flüssigkeit polstert das Fettgewebe zudem auf und drückt kleine Gefäße zusammen. Bei kleineren Eingriffen kann die Betäubung so gründlich sein, dass auf eine Vollnarkose oder intravenöse Sedierung verzichtet werden kann.
Vorteile
Im Vergleich zu älteren Verfahren bietet die Tumeszenz-Technik mehrere Vorteile: weniger Blutverlust, geringere Schmerzen während und nach dem Eingriff, bei kleineren Arealen eine örtliche Betäubung statt Vollnarkose sowie eine präzisere Konturierung durch das aufgepolsterte, festere Gewebe. Eingriffe in örtlicher Betäubung gehen zudem mit weniger Kreislaufbelastung, Übelkeit und Erbrechen einher, wie sie nach einer Narkose auftreten können. Da die Patientin oder der Patient bei kleineren Eingriffen wach bleibt, lässt sich die Kontur teilweise im Stehen kontrollieren. Der Verzicht auf eine Vollnarkose verkürzt häufig auch die Überwachungszeit nach dem Eingriff.
Ablauf
Vor der Absaugung wird die Tumeszenzlösung über feine Kanülen in das zu behandelnde Areal eingebracht, bis das Gewebe prall angeschwollen ist. Anschließend wirkt die Lösung einige Zeit ein, damit Betäubung und Gefäßverengung ihre volle Wirkung entfalten. Erst danach beginnt die eigentliche Fettabsaugung. Weil die Flüssigkeit das Gewebe aufpolstert, lassen sich die Fettzellen gleichmäßiger lösen, was zu einer ebenmäßigeren Kontur beiträgt. Ein Teil der eingebrachten Flüssigkeit wird mit dem Fett wieder abgesaugt, der Rest vom Körper über die Folgetage ausgeschieden.
Kombination mit anderen Verfahren
Heute wird die Tumeszenz-Technik bei nahezu allen modernen Liposuktionen eingesetzt und bildet die Grundlage weiterführender Verfahren. Häufig wird sie mit ultraschallunterstützten Methoden wie VASER oder mit der vibrationsunterstützten Absaugung (PAL) kombiniert. Bei der Behandlung des Lipödems ist die Tumeszenzmethode ebenfalls etabliert und gehört dort zum anerkannten Vorgehen.
Grenzen und Sicherheit
Die zulässige Menge an Lidocain ist begrenzt und richtet sich nach dem Körpergewicht, weshalb die Lösung stark verdünnt und in fester Dosierung verabreicht wird. Eine Überschreitung der Höchstmenge kann zu Nebenwirkungen führen, weshalb der Eingriff in fachärztliche Hand gehört. Wie bei jeder Liposuktion sind Schwellungen, Blutergüsse und vorübergehende Taubheitsgefühle möglich. Auch nach dem Eingriff tritt über ein bis zwei Tage Wundwasser aus den Einstichstellen aus, das mit saugenden Verbänden aufgefangen wird; dies ist ein normaler Teil des Verfahrens. Eine ausführliche Voruntersuchung klärt Vorerkrankungen und Medikamente ab, die mit der Lösung in Wechselwirkung treten können.
Häufige Fragen
Ist eine Liposuktion in Tumeszenz-Technik ohne Vollnarkose möglich? Bei kleineren Arealen ja, dann genügt häufig die örtliche Betäubung der Tumeszenzlösung. Bei großen Eingriffen wird sie mit Sedierung oder Vollnarkose kombiniert.
Warum enthält die Lösung Adrenalin? Adrenalin verengt die Gefäße, reduziert dadurch die Blutung und verlängert die Wirkdauer des Lidocains.
Wie lange hält die Betäubung an? Durch die Gefäßverengung bleibt die örtliche Betäubung mehrere Stunden bestehen, was auch nach dem Eingriff schmerzlindernd wirkt.
Tritt nach dem Eingriff Flüssigkeit aus? Ja, über ein bis zwei Tage sickert ein Teil der Lösung aus den Einstichstellen, was normal ist und mit saugenden Verbänden versorgt wird.
Siehe auch
Weitere Begriffe im Glossar Plastische Chirurgie oder zurück zur Sanoplast-Übersicht.
Weitere Artikel
Mommy Makeover Vorher Nachher
Was ein Mommy Makeover wirklich verändert: Brust, Bauch und Silhouette nach Schwangerschaft. Faktoren und Zeit…
Mehr erfahren →Liposuktion in Hannover: Spezialisten
Liposuktion in Hannover: zertifizierte Spezialisten, Verfahren, Kosten und Heilungsverlauf im Überblick.
Mehr erfahren →Bauchdeckenstraffung: Methoden, Ablauf & Kosten
Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) mit Muskelraffung: Methoden, Kosten ab 4.000 €, Ablauf, Risiken und für…
Mehr erfahren →Brachioplastik: Straffung der Oberarme
Brachioplastik erklärt: Anlass nach Gewichtsverlust, Schnittführung an der Arminnenseite, Ablauf, Narben, Risi…
Mehr erfahren →