Genioplastik
Die Genioplastik ist die operative Formveränderung des Kinns am Knochen. Ein Teil des Unterkiefers im Kinnbereich wird durchtrennt, verschoben und in der neuen Position mit Platten und Schrauben fixiert. Sie unterscheidet sich damit grundlegend von einer Kinnkorrektur mit Implantat oder Filler, die nur Volumen ergänzt.
Das Prinzip
Der Eingriff nutzt eine Osteotomie, also eine kontrollierte Durchtrennung des Knochens. Das gelöste Segment trägt die Kinnspitze und bleibt mit der Muskulatur des Mundbodens verbunden, was seine Durchblutung sichert. Nach dem Verschieben heilt der Knochen in der neuen Position fest zusammen. Das Ergebnis ist damit körpereigen und dauerhaft.
Mögliche Bewegungsrichtungen
Das Segment lässt sich nach vorn verschieben, um ein fliehendes Kinn auszugleichen, nach hinten bei zu betontem Kinn, nach oben oder unten, um die Höhe des unteren Gesichtsdrittels zu verändern, sowie seitlich zur Korrektur von Asymmetrien. Auch Kombinationen sind möglich. Diese Vielseitigkeit ist der wesentliche Vorteil gegenüber einem Implantat, das im Wesentlichen Volumen nach vorn ergänzt.
Ablauf
Der Zugang erfolgt von innen über die Unterlippe, sodass äußerlich keine Narbe entsteht. Der Eingriff findet in Vollnarkose statt und wird häufig von Fachärzten für Mund Kiefer Gesichtschirurgie durchgeführt. In den ersten Tagen sind Schwellung, Spannungsgefühl und eingeschränkte Mimik üblich, weiche Kost und Mundhygiene nach Anweisung gehören zur Nachsorge. Die knöcherne Heilung braucht Wochen, das endgültige Weichteilergebnis zeigt sich über Monate.
Abgrenzung zu Implantat und Filler
Ein Kinnimplantat ist der kleinere Eingriff mit kürzerer Erholung, ändert aber nur die Projektion nach vorn und bringt Fremdmaterial ein. Filler wirken vorübergehend und eignen sich für kleine Konturunterschiede, siehe Kinnkorrektur. Die Genioplastik ist aufwendiger, dafür in Richtung und Ausmaß präziser steuerbar. Bei einer Fehlstellung der Kiefer insgesamt reicht keiner dieser Wege, dann steht eine kieferorthopädische und kieferchirurgische Behandlung im Vordergrund.
Risiken
Zu nennen sind eine vorübergehende oder in seltenen Fällen bleibende Gefühlsstörung der Unterlippe und des Kinns durch die Nähe zum Nerv, Schwellungen und Blutergüsse, Infektionen, Störungen der knöchernen Heilung, sichtbare Stufen sowie Asymmetrien. Auch die Weichteile folgen dem Knochen nicht immer wie geplant, weshalb kleine Abweichungen möglich sind, siehe auch Sensibilitätsstörung.
Planung
Grundlage sind Röntgen oder dreidimensionale Aufnahmen, die Beurteilung des Bisses und die Analyse des Profils im Zusammenspiel mit Nase, Lippen und Hals. Ein zurückliegendes Kinn beeinflusst die Wahrnehmung der Nasengröße, weshalb es sinnvoll sein kann, beides gemeinsam zu betrachten, siehe Rhinoplastik und Jawline.
Häufige Fragen
Bleibt eine sichtbare Narbe?
Nein, der Zugang liegt in der Mundschleimhaut.
Müssen die Platten wieder entfernt werden?
In der Regel nicht. Eine Entfernung erfolgt nur bei Beschwerden.
Wie lange dauert die Ausfallzeit?
Die deutliche Schwellung nimmt über ein bis zwei Wochen ab. Sport und Belastung folgen nach ärztlicher Freigabe.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Er wird in Narkose durchgeführt, danach steht ein Spannungsgefühl im Vordergrund, das medikamentös gut behandelbar ist.
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