DIEP-Flap
DIEP-Flap steht für "Deep Inferior Epigastric Perforator Flap" und bezeichnet eine Methode der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe. Aus dem Unterbauch werden Haut und Unterhautfettgewebe entnommen, mikrochirurgisch an Gefäße der Brustwand angeschlossen und zu einer neuen Brust geformt. Anders als bei älteren Verfahren bleibt der gerade Bauchmuskel dabei vollständig erhalten. Der Name leitet sich von den versorgenden Blutgefäßen ab, die aus der tiefen unteren Bauchschlagader stammen und den Bauchmuskel durchdringen, also perforieren.
Ablauf der Operation
Zunächst wird ein spindelförmiges Gewebestück aus dem Unterbauch entnommen, ähnlich wie bei einer Bauchdeckenstraffung. Die Operateure präparieren dabei ein oder zwei Perforatorgefäße sorgfältig durch den Muskel heraus, ohne die Muskelfasern zu durchtrennen. Anschließend wird das Gewebe zur Brust verlagert und unter dem Mikroskop an die dortigen Blutgefäße angeschlossen, häufig an die Gefäße hinter dem Brustbein. Erst wenn die Durchblutung gesichert ist, formen die Operateure aus dem Lappen die neue Brust. Der entstandene Defekt am Unterbauch wird verschlossen, woraus eine quer verlaufende Narbe im Unterbauchbereich resultiert. Der Eingriff dauert im Schnitt etwa vier bis sechs Stunden und erfolgt in Vollnarkose. In den ersten Tagen nach der Operation wird die Durchblutung des Lappens engmaschig überwacht, um eine Gefäßkomplikation früh zu erkennen.
Indikation
Eingesetzt wird das Verfahren vor allem nach einer Mastektomie bei Brustkrebs, wenn ein Wiederaufbau mit natürlichem Eigengewebe statt mit einem Implantat gewünscht ist. Auch nach einer Bestrahlung der Brustwand kann die Rekonstruktion mit gut durchblutetem Eigengewebe sinnvoll sein. Voraussetzung sind ausreichend Fettgewebe am Unterbauch sowie kräftige, gut darstellbare Perforatorgefäße, die sich vor der Operation mit Bildgebung beurteilen lassen.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Beim älteren TRAM-Flap wird Teile des geraden Bauchmuskels mit übertragen. Das DIEP-Verfahren verzichtet darauf und schont so die Bauchwand, wodurch das Risiko für eine spätere Bauchwandschwäche oder einen Bauchwandbruch geringer ausfällt. Steht am Unterbauch nicht genug Gewebe zur Verfügung, kommen alternative Spenderregionen infrage, etwa die Oberschenkelinnenseite beim sogenannten Profunda-Artery-Perforator-Lappen. Von der Implantat-Rekonstruktion unterscheidet sich der DIEP-Flap dadurch, dass keine Fremdmaterialien eingebracht werden.
Risiken
Wie jeder mikrochirurgische Eingriff birgt der DIEP-Flap das Risiko einer Durchblutungsstörung des verlagerten Gewebes. Wird der Lappen nicht ausreichend mit Blut versorgt, kann er teilweise oder vollständig absterben, ein vollständiger Lappenverlust ist jedoch selten. Möglich sind außerdem eine Fettgewebsnekrose, also das Absterben einzelner Fettareale, sowie Wundheilungsstörungen, Serome und Narbenbildung am Bauch. Ein höherer Body-Mass-Index und Rauchen erhöhen das Komplikationsrisiko. Der Eingriff ist technisch anspruchsvoll und gehört in die Hand erfahrener Spezialisten.
Kosten
Erfolgt die Rekonstruktion nach einer Brustkrebsbehandlung, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten, da es sich um eine medizinisch notwendige Wiederherstellung handelt. Den genauen Umfang der Kostenübernahme klärt die behandelnde Klinik im Einzelfall mit der Kasse. Die Rekonstruktion kann unmittelbar im Rahmen der Tumoroperation erfolgen oder zeitlich versetzt nach Abschluss der Krebsbehandlung. Bei rein ästhetischen Beweggründen ohne medizinische Indikation tragen Patientinnen die Kosten selbst.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Erholung nach einem DIEP-Flap? Planen Sie mindestens sechs Wochen ein. Schweres Heben und Sport sollten in den ersten sechs bis acht Wochen vermieden werden.
Bleibt der Bauchmuskel wirklich erhalten? Ja, im Gegensatz zum TRAM-Flap wird beim DIEP-Verfahren kein Muskel mit übertragen, sondern nur Haut und Fettgewebe samt versorgender Gefäße.
Ist die neue Brust gefühlsempfindlich? Das Empfinden kann anfangs eingeschränkt sein und erholt sich nur teilweise. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt schätzt den Verlauf individuell ein.
Siehe auch
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