Steri-Strip Wundverschluss Informationen
- Überblick
- 3M Health Care
- Produktarten
- Wirkweise
- Indikationen
- Anwendung
- Vorteile und Grenzen
- Lagerung und Sterilität
- Kosten
- Quellen
- Häufige Fragen
Überblick
Steri-Strip ist ein Wundverschlusspflaster des US-amerikanischen Konzerns 3M (heute Solventum, nach der Ausgliederung der Health-Care-Sparte 2024). Das Produkt ist seit Jahrzehnten ein Standardprodukt in der klinischen Wundversorgung und Chirurgie und wird für den nicht-invasiven oder unterstützenden Wundverschluss nach operativen Eingriffen, Verletzungen und Wundnahtverstärkung eingesetzt. Steri-Strip ist in Deutschland rezeptfrei in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich.
Das Produkt ist steril verpackt und besteht aus einem nicht-gewebten Trägermaterial (Vlies oder verstärktes Vlies), das auf einer Seite mit einem medizinischen Acrylhaftkleber beschichtet ist. Die Pflasterstreifen haften direkt auf der trockenen Haut und halten Wundränder aneinander.
3M Health Care
3M Company (Minnesota Mining and Manufacturing Company) ist ein diversifizierter US-amerikanischer Industriekonzern mit Ursprung 1902 in Two Harbors, Minnesota. Das Unternehmen ist in zahlreichen Branchen tätig, darunter Gesundheitswesen, Elektronik, Konsumgüter und Industrie. Die Health-Care-Sparte von 3M wurde 2024 unter dem Namen Solventum LLC ausgegliedert. Steri-Strip ist ein traditionsreiches Produkt dieser Sparte und wurde bereits in den 1950er Jahren entwickelt.
Produktarten
Steri-Strip ist in verschiedenen Varianten erhältlich. Die klassischen Steri-Strip Reinforced Skin Closures sind verstärkte Wundverschlussstreifen mit einer Filamentfaser-Einlage im Trägermaterial. Diese Einlage erhöht die Zugfestigkeit des Pflasters und ermöglicht einen stärkeren Zug auf die Wundränder. Sie sind in Breiten von 3 mm, 6 mm und 12 mm sowie in verschiedenen Längen erhältlich.
Steri-Strip Blend Tone sind Hautfarbene Streifen, die für sichtbare Körperstellen entwickelt wurden und durch ihre beige Farbe dezenter wirken. Die Standard-Steri-Strip ohne Verstärkung ist für geringere Zugbelastungen geeignet, z. B. für oberflächliche Wunden oder nach Suturnahtentfernung zur weiteren Stabilisierung.
Steri-Strip Elastic sind elastische Wundverschlussstreifen für Körperregionen mit hoher Beweglichkeit (Gelenke, Fingerbeeren). Die Elastizität erlaubt eine gewisse Dehnung und verhindert das Ablösen bei Bewegung. Alle Varianten sind latexfrei und hypoallergen formuliert.
Wirkweise
Steri-Strip-Pflaster halten Wundränder durch adhesiven Zug ohne Naht oder invasiven Eingriff aneinander. Die approximierten Wundränder können unter dem Pflaster durch die natürliche Wundheilung (Granulationsgewebe, Kollagenbildung) in 5 bis 14 Tagen vollständig schließen. Das Trägermaterial ist mikroporös und erlaubt den Gasaustausch (Sauerstoff, Wasserdampf) durch das Pflaster, was eine feuchte Wundheilung bei gleichzeitig verminderter Mazeration der Umgebungshaut fördert.
Bei Wunden mit starkem Zug auf die Wundränder (z. B. an Gelenken oder unter Spannung stehenden Hautbereichen) reicht der adhäsive Halt von Wundverschlussstreifen allein oft nicht aus. In solchen Fällen sind Nahtmaterialien oder Wundklammern erforderlich; Steri-Strip kann ergänzend zur Verstärkung oder nach Nahtentfernung eingesetzt werden.
Indikationen
Steri-Strip wird in einer Vielzahl klinischer Situationen eingesetzt. Primärindikation ist der nicht-invasive Wundverschluss bei oberflächlichen Wunden mit geringer Zugbelastung: kleine Schnittverletungen, Lazerationen, OP-Wunden nach Nahtentfernung und oberflächliche chirurgische Zugänge. In der Plastischen Chirurgie wird Steri-Strip häufig nach Entfernung der Hautnaht eingesetzt, um die Narbe in der frühen Reifungsphase zu stabilisieren und Dehnung zu verhindern.
Im klinischen Alltag wird Steri-Strip auch zur Reinforcement von Wundnähten (parallel zur Naht aufgeklebt) und als Verband über Wunden ohne Infektionszeichen eingesetzt. Bei frischen, blutenden oder exsudierenden Wunden muss die Wunde vor der Anwendung trockengelegt werden, da der Haftkleber auf feuchter Haut nicht adhäriert.
Anwendung
Die Haut wird vor der Anwendung gereinigt, trockengelegt und ggf. mit einem Hautklebstoff (Skin Tack) vorbehandelt, um die Haftung zu verbessern. Der Streifen wird mittig über dem Wundspalt platziert, eine Seite zunächst angedrückt, dann die Wundränder approximiert und die andere Seite aufgeklebt. Mehrere Streifen werden im Abstand von 2 bis 3 mm parallel angebracht, bis die gesamte Wundlänge bedeckt ist.
Für optimale Haftung sollte die Haut trocken und fettfrei sein. Steri-Strip kann bei normalen Alltagsbelastungen getragen werden, sollte aber nicht im Wasser eingeweicht werden. Bei Ablösen oder sichtbarer Kontamination sollte der Streifen ersetzt werden.
Vorteile und Grenzen
Vorteile von Steri-Strip gegenüber Nahtmaterial: Kein Stichkanal, kein Nadeleinstich, keine zweite Sitzung zur Entfernung, schmerzfrei beim Anlegen. Besonders geeignet für Patienten, bei denen eine Nahtanlage schwierig ist (ängstliche Kinder, Patienten mit Antikoagulation, schlechte Wundheilungsbedingungen im Bereich der Nahtanlage).
Grenzen: Ungeeignet für tiefe Wunden, Wunden unter starker Spannung, infizierte Wunden oder Wunden mit starker Nässe. Steri-Strip hält Wundränder nur so lange, wie es haftet; bei frühzeitigem Ablösen muss ersetzt werden. Bei Wunden über Gelenken oder viel bewegten Körperstellen kann die Elastik-Variante sinnvoll sein.
Lagerung und Sterilität
Steri-Strip ist steril verpackt und für den Einmalgebrauch bestimmt. Lagerung bei Raumtemperatur (unter 25 Grad Celsius) und trocken. Das Verfallsdatum ist auf jeder Verpackung aufgedruckt. Einmal geöffnete Verpackungen sollten möglichst bald aufgebraucht werden.
Kosten
Steri-Strip ist in Apotheken und online ohne Rezept erhältlich. Eine Packung mit 10 Streifen (6 mm x 75 mm) kostet ca. 5 bis 10 Euro. Kliniken beziehen das Produkt über medizinischen Fachhandel in Großpackungen zu deutlich reduzierten Stückpreisen. Bei ambulanten Eingriffen sind die Kosten für Wundverschlussprodukte üblicherweise im Behandlungspreis enthalten.
Quellen
- 3M/Solventum: Steri-Strip Produktinformationen und Gebrauchsanweisung
- Myers MB, Cherry G: Causes and prevention of tissue death in wounds. Am J Surg. 1971
- Rodeheaver GT et al.: Wound closure tapes: An aid to the clinical management of acute wounds. Wounds. 1999