Monosyn: Resorbierbares Nahtmaterial von B. Braun Melsungen
Überblick
Monosyn ist ein synthetisches, monofil resorbierbares Nahtmaterial von B. Braun Melsungen AG. Der Wirkstoff ist Polyglycaprone 25, ein Copolymer aus Glykolid (75 %) und Epsilon-Caprolacton (25 %). Das Produkt ist als CE-Medizinprodukt zugelassen und wird in der allgemeinen Chirurgie, der plastischen und ästhetischen Chirurgie sowie in der Gynäkologie eingesetzt. Monosyn zeichnet sich durch seine glatte Monofilstruktur aus, die im Vergleich zu geflochtenen Fäden weniger Gewebereizung verursacht und ein einfaches Gleiten durch das Gewebe ermöglicht.
B. Braun Melsungen AG ist eines der führenden deutschen Medizintechnikunternehmen mit Hauptsitz in Melsungen, Hessen. Das Unternehmen wurde 1839 gegründet und stellt ein breites Spektrum an Medizinprodukten und pharmazeutischen Produkten her. Monosyn gehört zum Produktportfolio der Aesculap AG, der chirurgischen Tochtergesellschaft von B. Braun.
Adresse und Profil des Herstellers Aesculap AG finden Sie im Branchenverzeichnis Aesculap AG auf Sanoliste.
Material und Zusammensetzung
Der Rohstoff von Monosyn ist Polyglycaprone 25, ein synthetisches, amorph-kristallines Copolymer. Die Bezeichnung "25" bezieht sich auf den 25-prozentigen Anteil von Epsilon-Caprolacton im Copolymer. Dieses Verhältnis bestimmt entscheidend die mechanischen Eigenschaften des Fadens:
- Hohe Anfangszugfestigkeit direkt nach der Implantation
- Kontrollierter Festigkeitsverlust über die Zeit
- Vollständige hydrolytische Resorption ohne enzymatische Prozesse
- Glatte Oberfläche mit geringem Reibungswiderstand
Monosyn ist in violetter und ungefärbter (farbloser) Ausführung erhältlich. Die violette Variante verbessert die Sichtbarkeit beim Nähen oberflächlicher Gewebebereiche. Die farblose Variante wird bevorzugt eingesetzt, wenn eine spätere Sichtbarkeit durch die Haut vermieden werden soll.
Verfügbare Stärken und Nadeln
Monosyn ist in einem breiten Stärkenbereich erhältlich, von USP 2 bis USP 6/0 (metrisch 1 bis 0,7). Die Wahl der Fadenstärke richtet sich nach dem zu nähenden Gewebe:
- USP 0 / USP 1: Faszienverschluss, tiefe Muskelschichten
- USP 2/0 / USP 3/0: Subkutangewebe, tiefere Hautschichten
- USP 4/0 / USP 5/0: Intrakutannaht, Gesichtsbereich, plastische Chirurgie
- USP 6/0: Mikrochirurgie, ophthalmologische Anwendungen
Die Nadeln sind aus rostfreiem Stahl gefertigt und in verschiedenen Geometrien verfügbar: runde Nadeln (atraumatisch für Gefäßnähte), schneidende Nadeln (für Haut und derbe Faszien) sowie Spezialnadelformen für bestimmte chirurgische Anwendungen. Die Nadel-Faden-Verbindung wird durch eine Schweißtechnik hergestellt, die eine gleichmäßige Kraftübertragung gewährleistet.
Resorptionsprofil und Zugfestigkeit
Das Resorptionsverhalten von Monosyn folgt einem definierten Profil, das durch In-vitro- und In-vivo-Studien dokumentiert ist:
- Tag 7: Ca. 50-60 % der Ursprungszugfestigkeit erhalten
- Tag 14: Ca. 20-30 % der Ursprungszugfestigkeit erhalten
- Tag 21: Restfestigkeit unter 10 %; für die meisten Wunden ausreichend verheilt
- Tag 90-120: Vollständige Resorption durch Hydrolyse abgeschlossen
Der Abbau erfolgt durch Hydrolyse: Wasser spaltet die Esterbindungen im Polymernetz. Die entstehenden Abbauprodukte (Glykolsäure, 6-Hydroxyhexansäure) werden über den normalen Metabolismus des Körpers ausgeschieden. Es findet keine enzymatische Beteiligung statt, was das Resorptionsprofil gegenüber natürlichen Materialien wie Catgut deutlich vorhersehbarer macht.
Indikationen
Monosyn ist für die Naht von Weichteilen geeignet, bei denen eine temporäre Zugfestigkeit von bis zu drei Wochen ausreicht. Typische Anwendungsgebiete umfassen:
- Plastische und ästhetische Chirurgie: Intrakutannaht nach Brustoperationen, Nasenkorrektur, Facelift; Wundverschluss nach Lipofilling
- Allgemeinchirurgie: Subkutanverschluss, Faszienverschluss in Kombination mit nicht-resorbierbaren Fäden
- Gynäkologie: Episiotomieverschluss, Vaginalwandnaht, Kaiserschnitt-Wundverschluss
- Dermatologie und Dermatochirurgie: Exzisionswunden, Stanzbiopsien, Hauttransplantationen
Monosyn ist nicht geeignet für: Kardiovaskuläre Chirurgie, Nähte, die eine Zugfestigkeit über 21 Tage hinaus erfordern, sowie Gefäßanastomosen.
Vorteile des Monofilaufbaus
Der monofile Aufbau von Monosyn bietet gegenüber geflochtenen Fäden mehrere relevante Eigenschaften. Geflochtene Fäden (z. B. Vicryl) haben eine größere Oberfläche und können Bakterien in ihren Zwischenräumen beherbergen, was das theoretische Infektionsrisiko erhöht. Monofäden haben eine glatte Oberfläche mit geringerer Keimanlagerung.
Beim Durchziehen durch das Gewebe erzeugt Monosyn geringere Reibungskräfte als geflochtene Materialien. Das erleichtert das Nähren und reduziert die Traumatisierung des Gewebes. Insbesondere bei Intrakutannähten über lange Distanzen ist dieses Gleitverhalten ein praktischer Vorteil für den Operateur.
Der Knotenfall von Monofäden erfordert mehr Halbschläge als bei geflochtenen Fäden, da Monofäden eine höhere Knotenöffnungstendenz aufweisen. Chirurgen, die Monosyn verwenden, legen daher typischerweise 4-5 Halbschläge pro Knoten.
Lagerung und Sterilität
Monosyn wird einzeln steril verpackt und ist mit Ethylenoxid sterilisiert. Die Lagerung sollte bei Raumtemperatur (15-25 °C), trocken und lichtgeschützt erfolgen. Das Verfallsdatum ist auf der Verpackung angegeben. Nach dem Öffnen der Sterilverpackung muss der Faden unmittelbar verwendet werden. Eine Resterilisation ist nicht zulässig.
Kosten
Monosyn ist ein Medizinprodukt für den professionellen Einsatz und nicht für den Endverbrauchermarkt bestimmt. Der Preis pro Packungseinheit (in der Regel 12 oder 36 Fäden) variiert je nach Händler, Stärke und Nadelvariante. Chirurgische Nähte sind typischerweise im Preis eines operativen Eingriffs einkalkuliert und werden nicht separat ausgewiesen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für medizinisch notwendige Operationen inklusive des verwendeten Nahtmaterials.
Quellen
- B. Braun Melsungen AG. Monosyn Produktinformation. Melsungen, 2024.
- Bezwada RS et al. Monocryl suture, a new ultra-pliable absorbable monofilament suture. Biomaterials. 1995;16(15):1141-1148.
- Moy RL et al. A review of sutures and suturing technique. J Dermatol Surg Oncol. 1992;18(9):785-795.
- European Commission. Regulation (EU) 2017/745 on medical devices. 2017.