Levatoraponeurose
Die Levatoraponeurose ist die sehnige Endstrecke des Oberlidhebermuskels. Sie überträgt dessen Zug auf die Lidplatte und öffnet damit das Auge. Löst sich diese Verbindung oder dehnt sie sich aus, hängt das Oberlid, obwohl der Muskel selbst intakt arbeitet. Sie ist damit die Schlüsselstruktur bei der Behandlung der Ptosis.
Anatomie
Der Oberlidhebermuskel entspringt tief in der Augenhöhle und zieht nach vorn. Kurz vor dem Lid geht er in eine flache Sehnenplatte über, eben die Aponeurose. Diese setzt an der Lidplatte an, dem festen Bindegewebsgerüst des Lids. Ein zweiter, kleinerer Muskel unterstützt die Lidöffnung und wird vom vegetativen Nervensystem gesteuert, weshalb die Lidspalte bei Anspannung oder Müdigkeit unterschiedlich weit ist.
Was bei einer Störung passiert
Löst sich die Aponeurose von der Lidplatte oder wird sie dünner, sinkt das Oberlid ab. Typisch ist ein hoch stehender Lidfalz auf der betroffenen Seite und ein müder, teils asymmetrischer Blick. Ursachen sind Alterung, langjähriges Kontaktlinsentragen, häufiges Reiben, Voroperationen am Auge, Verletzungen sowie Schwellungen. Bei ausgeprägter Form wird das Gesichtsfeld nach oben eingeschränkt.
Abgrenzung zu Schlupflidern
Bei Schlupflidern hängt überschüssige Haut über die Lidkante, das Lid selbst steht aber normal hoch. Bei der Ptosis steht die Lidkante zu tief. Beides tritt oft gemeinsam auf. Wird nur die Haut entfernt, obwohl die Aponeurose das Problem ist, bleibt der müde Blick bestehen. Deshalb geht der Beurteilung der Lidkantenhöhe Vorrang vor der Hautmenge.
Untersuchung
Gemessen werden der Abstand von Lidkante zum Pupillenreflex, die Hebefunktion des Muskels und die Höhe des Lidfalzes im Seitenvergleich. Zusätzlich wird geprüft, ob eine Schwäche wechselnd auftritt, was auf neurologische Ursachen hinweisen kann. In solchen Fällen erfolgt die Abklärung vor jedem operativen Schritt.
Operative Korrektur
Bei guter Muskelfunktion wird die Aponeurose wieder an der Lidplatte fixiert oder gerafft. Der Zugang liegt in der Lidfalte, sodass die Narbe später kaum auffällt. Häufig wird der Eingriff mit einer Oberlidstraffung kombiniert, wenn zusätzlich Haut überschüssig ist. Bei schwacher Muskelfunktion kommen andere Verfahren zum Einsatz, die die Lidhebung über die Stirnmuskulatur ermöglichen.
Risiken
Möglich sind Über oder Unterkorrektur, Asymmetrien zwischen beiden Seiten, ein unvollständiger Lidschluss mit trockenem Auge sowie eine veränderte Lidfalte. Da die Feineinstellung im Millimeterbereich liegt, sind Nachkorrekturen nicht ungewöhnlich. Zum Verlauf siehe Heilungsverlauf nach der Lidstraffung.
Häufige Fragen
Ist ein hängendes Lid immer eine Aponeurosenschwäche?
Nein. Es gibt angeborene, muskuläre und neurologische Ursachen, die getrennt abgeklärt werden.
Kann Botulinumtoxin ein hängendes Lid auslösen?
Eine Diffusion in den Lidhebermuskel kann vorübergehend zu einer Ptosis führen. Sie bildet sich mit der Wirkdauer zurück.
Übernimmt die Krankenkasse die Korrektur?
Bei nachgewiesener Einschränkung des Gesichtsfelds ist eine Prüfung möglich, siehe Kostenübernahme.
Hält das Ergebnis dauerhaft?
Meist über Jahre. Da das Gewebe weiter altert, sind spätere Nachkorrekturen möglich.
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