VASERlipo: Ultraschall-Liposuktion von Solta Medical
VASERlipo ist ein Ultraschall-assistiertes Liposuktionssystem, das von Solta Medical (Bausch Health, Laval, Kanada) vermarktet wird. Das Akronym VASER steht für Vibration Amplification of Sound Energy at Resonance. Das System nutzt hochfrequente Ultraschallenergie zur selektiven Emulgierung von Fettgewebe, bevor es durch Absaugkanülen entfernt wird. Umliegendes Bindegewebe, Nerven, Gefäße und Lymphbahnen werden dabei deutlich weniger beansprucht als bei rein mechanischer Liposuktion.
- Technologie und Wirkprinzip
- Indikationen
- Behandlungsablauf
- Hi-Def-Technik
- VASERlipo als Fettspender
- Sicherheit und Nebenwirkungen
- Patientenauswahl
- Häufige Fragen
Technologie und Wirkprinzip
VASERlipo-Sonden bestehen aus Titan und werden über einen Ultraschallgenerator mit einer Frequenz von 36 kHz in Schwingung versetzt. Diese mechanischen Wellen erzeugen im mit Tumeszenz-Lösung vorbereiteten Fettgewebe sogenannte Kavitationsblasen. Diese Blasen kollabieren und lösen dabei die Verbindungen zwischen den Fettzellen sowie zwischen Fett und umgebenden Bindegewebsstrukturen. Das Resultat ist ein emulgiertes, verflüssigtes Fettgemisch, das anschließend mit herkömmlichen Absaugkanülen oder speziellen VASER-Kanülen abgesaugt wird.
Der entscheidende mechanische Unterschied zur klassischen Liposuktion: Während konventionelle Technik Fettzellen und Bindegewebe gemeinsam mechanisch zerreißt, trennt VASERlipo gezielt das Fettgewebe von den Stützstrukturen. Das führt in klinischen Beobachtungen zu geringeren postoperativen Schwellungen, weniger Blutergüssen und einem schnelleren Rückgang des Ödems.
Indikationen
VASERlipo ist für eine Vielzahl von Körperbereichen und Indikationen geeignet:
- Körperformung und Fettreduktion an Bauch, Flanken, Oberschenkeln (innen und außen), Armen, Rücken und Gesäß
- Hochauflösende Körperkonturierung (Hi-Def) zur Sichtbarmachung muskulärer Strukturen
- Gynekomastie-Behandlung beim Mann (glanduläres und fibröses Gewebe)
- Fettgewinnung für autologes Lipofilling (Brazilian Butt Lift, Brustaufbau, Gesichts- und Handverjüngung)
- Revisionseingriffe nach konventioneller Liposuktion mit fibrösen Verwachsungen
Das Verfahren eignet sich besonders für fibrösere Körperregionen wie den männlichen Rücken, die Flanken oder die Innenschenkel, wo konventionelle Technik an ihre Grenzen stoßen kann. Auch bei Revisionseingriffen nach Voroperationen bietet der Ultraschall Vorteile bei der Gewebepräparation.
Behandlungsablauf
Vor dem Eingriff wird die Zielregion mit Tumeszenz-Anästhesie infiltriert: eine Kochsalzlösung mit Epinephrin und Lokalanästhetikum. Diese Lösung schwellt das Fettgewebe an, reduziert Blutungen und erleichtert das spätere Absaugen. Die VASERlipo-Sonden werden dann über kleine Stichinzisionen (1 bis 3 mm) eingeführt. Der Arzt bewegt die Sonden gleichmäßig durch das Fettgewebe, um es zu emulgieren.
Nach der Emulgierungsphase erfolgt die Absaugung durch kleinlumige VASER-Kanülen. Anschließend werden die Stichkanäle gegebenenfalls mit einer Naht oder offen gelassen, um überschüssige Tumeszenz-Flüssigkeit abfließen zu lassen. Kompressionskleidung wird direkt nach dem Eingriff angelegt und für 4 bis 6 Wochen getragen, um Schwellungen zu minimieren und das Haut-Remodeling zu unterstützen.
Hi-Def-Technik (VASERlipo HD)
Bei der VASERlipo-Hi-Def-Technik werden gezielt oberflächliche und tiefer gelegene Fettdepots in unmittelbarer Nähe muskulärer Markierungslinien entfernt, um die Muskelzeichnung sichtbar zu machen. Typische Zielbereiche sind die Abdominalmuskeln (Six-Pack), der Serratus anterior an der seitlichen Brustwand sowie Deltoid- und Bizepszeichnung an den Armen.
Diese Technik ist anspruchsvoll und erfordert umfangreiche chirurgische Erfahrung sowie ein tiefes anatomisches Verständnis der neurovaskulären Strukturen im Unterhautgewebe. Geeignet ist sie ausschließlich für Patienten nahe ihrem Idealgewicht mit gut entwickelter Muskulatur und ausreichend dünner Fettschicht über den Muskeln.
VASERlipo als Fettspender für Lipofilling
Ein besonderer Vorteil von VASERlipo im Vergleich zu konventioneller Liposuktion liegt im gewonnenen Fetttransplantat: Die sanftere Emulgierung erhält eine höhere Anzahl lebensfähiger Adipozyten im Aspirat. Für Eingriffe wie den Brazilian Butt Lift (BBL), die Brustaugmentation mit Eigenfett oder die Gesichtsverjüngung durch autologes Lipofilling kann dies eine verbesserte Graftüberlebensrate bedeuten, da mehr lebende Fettzellen im transferierten Material vorhanden sind.
Das VASER-Aspirat wird nach der Absaugung typischerweise zentrifugiert oder siebartig gefiltert, bevor es in die Zielregion re-injiziert wird. Die genaue Aufbereitung richtet sich nach dem Protokoll des jeweiligen Chirurgen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Wie bei jeder Liposuktion können folgende unerwünschte Effekte auftreten:
- Häufig (vorübergehend): Schwellungen, Blutergüsse, Taubheitsgefühle und Druckempfindlichkeit im behandelten Areal, die innerhalb von Wochen bis Monaten abklingen
- Gelegentlich: Konturunregelmäßigkeiten, Serome (Flüssigkeitsansammlungen), Infektionen
- Selten: Thermische Verletzungen, Nervenirritationen, tiefer Venenthrombose
VASERlipo ist kein Verfahren zur Gewichtsreduktion und kein Ersatz für eine gesunde Ernährung und Bewegung. Es ist ausschließlich zur Körperkonturierung bei Patienten geeignet, die sich nahe ihrem Idealgewicht befinden.
Patientenauswahl
Geeignete Kandidaten sind Erwachsene in gutem Gesundheitszustand mit lokalisierten Fettdepots, die auf Ernährungsumstellung und Sport nicht ansprechen, und mit realistischen Erwartungen an das Behandlungsergebnis. Kontraindiziert ist VASERlipo bei Blutgerinnungsstörungen, schwerer Herzerkrankung, aktiven Infektionen, Schwangerschaft sowie bei Patienten mit stark verminderter Hautelastizität, die eine Straffungsoperation erfordern würden.