Aesculap: Chirurgische Instrumente von B. Braun
Überblick: Aesculap und B. Braun
Aesculap ist die Medizintechnik-Marke der B. Braun Melsungen AG, eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Medizinprodukte und pharmazeutische Dienstleistungen. Das Unternehmen wurde 1867 in Melsungen, Deutschland gegründet und beschäftigt heute über 65.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in mehr als 60 Ländern. Der Name Aesculap ist abgeleitet von Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst, und steht seit über 150 Jahren für Präzision, Qualität und chirurgische Exzellenz.
Aesculap ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von chirurgischen Instrumenten, Implantaten, Wundverschluss- und Sterilisationsprodukten sowie innovativen Operationssystemen. Im Bereich der plastischen und ästhetischen Chirurgie spielen Aesculap-Produkte eine zentrale Rolle, da sie höchste Ansprüche an Präzision, Gewebeschonung und Langlebigkeit erfüllen.
Adresse und Profil des Herstellers Aesculap AG finden Sie im Branchenverzeichnis Aesculap AG auf Sanoliste.
Chirurgische Instrumente und Systeme
Das Portfolio von Aesculap umfasst eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen chirurgischer Instrumente. Für die plastische Chirurgie sind insbesondere folgende Kategorien relevant:
Skalpelle und Messer: Aesculap bietet ein breites Sortiment an Skalpe llgriffen in verschiedenen Formen (Griff Nr. 3, 4, 7) sowie die entsprechenden Klingen (Größen 10-26). Die Klingen bestehen aus hochwertigem kohlenstoffarmem Edelstahl und garantieren eine konstant scharfe Schneide für präzise Inzisionen mit minimaler Gewebeschädigung.
Pinzetten und Klemmen: Die Aesculap-Pinzetten für die plastische Chirurgie umfassen anatomische, chirurgische und atraumatische Varianten. Besonders für feine Gewebe wie Haut und subkutanes Fettgewebe sind die zart gezahnten Adson-Pinzetten bekannt. Gewebeschonende DeBakey-Klemmen werden eingesetzt, wenn größere Strukturen gefasst werden müssen, ohne Nekrose zu riskieren.
Scheren: Die Metzenbaum-Schere in verschiedenen Längen und Krümmungen ist das Standardinstrument für die Präparation von Weichteilen in der plastischen Chirurgie. Iris-Scheren werden für feinste Schnitte im Gesicht verwendet. Aesculap bietet zudem Spezialscheren für Fasziotomien und Hauttransplantationen.
Wundhaken und Retraktion: Für die Exposition des Operationsfeldes stehen Einzel- und Doppelhaken (Sharp Hooks, Blunt Hooks), Langenbeck-Haken sowie selbsthaltende Systeme wie der Weitlaner-Retraktor zur Verfügung. Diese ermöglichen eine übersichtliche Darstellung des Operationsgebietes ohne assistierende Hände.
Implantate und Nahtmaterial
Neben Instrumenten ist Aesculap auch im Bereich bioresorbierbarer Implantate und Nahtmaterialien tätig. Das Nahtmaterial-Sortiment der B. Braun-Gruppe umfasst synthetische resorbierbare Fäden (Novosyn, Safil), nicht-resorbierbare Fäden (Seralon, Premilene) sowie Hautklammersysteme.
Monocryl-äquivalente Fäden: Für den Hautverschluss nach plastischen Operationen stehen monofile resorbierbare Fäden zur Verfügung, die eine glatte Oberfläche bieten, wenig Gewebereaktion auslösen und sich innerhalb von 90 bis 120 Tagen auflösen. Sie werden für intrakutane Nähte verwendet und hinterlassen minimale Narben.
Nicht-resorbierbare Fäden: Prolene-äquivalente Polypropylenfäden werden für Situationsähte, Matratzennähte und bestimmte Faszienverschlüsse eingesetzt. Ihre Inertheit gegenüber dem Gewebe macht sie ideal für permanente Rekonstruktionen.
Titanklammern und Wundverschluss: Das Klammersystem von Aesculap ermöglicht einen schnellen und gleichmäßigen Hautverschluss bei längeren Inzisionen, beispielsweise nach Abdominoplastiken oder Gesäßstraffungen. Jede Klammer wird aus medizinischem Titan gefertigt und ist bildgebungskompatibel.
Anwendung in der plastischen Chirurgie
In der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie kommen Aesculap-Produkte in nahezu allen Operationsgebieten zum Einsatz. Bei Rhinoplastiken (Nasenoperationen) werden spezielle Raspeln, Osteotome und Feinen-Zangen von Aesculap eingesetzt, um Knochenstrukturen präzise zu formen. Die Instrumente zeichnen sich durch exzellente Bearbeitungsqualität aus, die eine feine Kontrolle beim Abtragen und Aufbauen von Nasenstrukturen ermöglicht.
Bei Brustkorrekturen werden Dissektoren, Gewebeschutzbleche und spezielle Retraktor-Systeme verwendet, die das Einsetzen von Implantaten erleichtern und gleichzeitig das umgebende Gewebe schonen. Für Facelift-Eingriffe stehen feine Präparationsinstrumente zur Verfügung, die eine schichtgenaue Trennung von Gewebe ermöglichen.
Im Bereich der Lidchirurgie (Blepharoplastik) werden besonders feine Instrumente benötigt: Aesculap bietet hierzu Spezialscheren für die Exzision von Fett und Haut, atraumatische Pinzetten sowie Elektroden für die Blutstillung. Auch bei der Ohranlegeplastik (Otoplastik) kommen Spezialraspeln und Klemmen zum Einsatz.
Für minimalinvasive Verfahren wie die endoskopische Stirnhebung oder Brustkorrektur verfügt Aesculap über endoskopische Instrumente, die durch kleine Inzisionen eingebracht werden können und dabei vollständige Funktionalität bieten.
Qualitätsstandards und Zertifizierungen
Aesculap-Produkte werden unter strengsten Qualitätsbedingungen hergestellt und entsprechen den internationalen Normen der Medizinprodukteindustrie. Alle Instrumente und Implantate sind nach ISO 13485 (Qualitätsmanagementsysteme für Medizinprodukte) zertifiziert und tragen das CE-Kennzeichen gemäß der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR 2017/745).
Die Stahlqualität der chirurgischen Instrumente entspricht der deutschen DIN-Norm für chirurgische Instrumente (DIN EN ISO 7153-1). Aesculap setzt ausschließlich Edelstahllegierungen ein, die korrosionsbeständig, biokompatibel und sterilisierbar sind. Für besonders beanspruchte Instrumente wird Titan verwendet, das trotz geringem Gewicht höchste Festigkeit bietet.
Die Produktion findet überwiegend in Deutschland (Tuttlingen und Melsungen) statt, der sogenannten Medizintechnik-Hauptstadt der Welt. Tuttlingen beherbergt über 400 Unternehmen der Medizintechnikindustrie und ist weltweit bekannt für die höchste Qualität chirurgischer Instrumente.
Sicherheit und Sterilisation
Aesculap-Instrumente sind für die Wiederaufbereitung konzipiert und können bis zu mehrere hundert Mal sterilisiert werden, ohne ihre Funktion zu verlieren. Die Instrumente sind kompatibel mit allen gängigen Sterilisationsverfahren: Dampfsterilisation (Autoklav, 134°C), Heißluftsterilisation, Ethylenoxid-Sterilisation sowie Plasma-Sterilisation.
Für die sichere Aufbereitung bietet Aesculap unter der Marke Aesculap AEROgard spezielle Instrumentencontainer und Siebkörbe an, die eine keimarme Lagerung nach der Sterilisation gewährleisten. Diese Systeme sind in verschiedenen Standardgrößen erhältlich und lassen sich individuell für den Operationssaal konfigurieren.
Einmalinstrumente und sterile Einmalprodukte sind entsprechend als EO-steril (Ethylenoxid-sterilisiert) oder gamma-steril (gammabestrahlte Sterilisation) ausgewiesen und dürfen nur einmalig verwendet werden. Dies betrifft insbesondere Klingen, Einmalklemmen und sterile Nahtmaterialpackungen.
Kosten und Verfügbarkeit
Aesculap-Produkte sind weltweit über ein dichtes Netz von Distributoren und direkt über B. Braun erhältlich. In Deutschland vertreibt B. Braun die Aesculap-Produkte direkt an Krankenhäuser, Kliniken und niedergelassene Ärzte. Für Fachhändler und Sanitätshäuser gibt es entsprechende Vertriebsvereinbarungen.
Die Preise für Aesculap-Instrumente liegen im Premium-Segment der Medizintechnik und spiegeln die hohe Fertigungsqualität, die langen Garantielaufzeiten und den umfassenden technischen Service wider. Eine Standardpinzette aus dem Aesculap-Sortiment kostet je nach Ausführung zwischen 40 und 200 Euro. Komplette Operationssiebe für die plastische Chirurgie können Werte im vier- bis fünfstelligen Bereich erreichen.
Für Patienten entstehen durch die Wahl von Aesculap-Instrumenten in der Regel keine direkten Mehrkosten, da diese im Operationshonorar bzw. in den Klinikkosten enthalten sind. Die Entscheidung für Qualitätsinstrumente kann jedoch die Operationsergebnisse verbessern und die Komplikationsrate senken, was langfristig auch für Patienten vorteilhaft ist.