Ohren anlegen: Otoplastik – abstehende Ohren korrigieren

Abstehende Ohren sind eine der häufigsten angeborenen Ohrfehlstellungen. Sie entstehen durch eine unzureichend ausgebildete Ohrmuschelbiegung (Anthelix) oder ein zu großes Ohrknorpel. Die Otoplastik (Ohrkorrektur) ist ein gut etablierter, kurzer Eingriff, der abstehende Ohren dauerhaft anlegt und die Lebensqualität – besonders bei Kindern – erheblich verbessern kann.

Wann ist das Ohrenanlegen sinnvoll?

Abstehende Ohren sind medizinisch gesehen harmlos, können aber zu psychischer Belastung führen – besonders bei Schulkindern, die durch Hänseleien leiden. Empfehlungen:

  • Kinder: Idealer Zeitpunkt ab 5–6 Jahren, wenn der Ohrknorpel ausgehärtet ist und bevor die Schule beginnt
  • Jugendliche: Jederzeit möglich, sobald das Ohrwachstum abgeschlossen ist
  • Erwachsene: Jederzeit möglich, lokale oder allgemeine Betäubung

OP-Methoden

Mustardé-Technik

Die klassische Methode. Durch nicht-resorbierbare Nähte (Mustardé-Nähte) wird der Knorpel umgeformt und eine neue Anthelix-Falte gebildet. Gut geeignet für unausgeprägte Antihelixfalte. Sehr natürliches Ergebnis, gering Rückfallrisiko.

Furnas-Technik

Setzt durch Nähte die gesamte Ohrmuschel näher an den Kopf. Wird eingesetzt, wenn der Hauptgrund für das Abstehen ein zu großer Concha-Knorpel ist. Oft in Kombination mit der Mustardé-Technik angewendet.

Knorpelresektionsmethode

Bei besonders hartem oder dickem Knorpel kann Knorpelgewebe entfernt werden. Ermöglicht eine präzisere Formgebung, hat aber ein leicht höheres Risiko für Unregelmäßigkeiten.

Nicht-chirurgische Methoden (bei Neugeborenen)

Bei Neugeborenen bis zum 3. Lebensmonat kann durch Ohrschienen (z. B. EarWell) eine Fehlstellung korrigiert werden, da der Knorpel noch sehr weich und formbar ist. Nach dem 3. Monat ist diese Methode nicht mehr ausreichend wirksam.

Ablauf der Otoplastik

  1. Beratungsgespräch: Beurteilung der Ohrstellung, Methode festlegen, Wünsche besprechen
  2. Anästhesie: Bei Kindern Vollnarkose, bei Erwachsenen Lokalanästhesie oder Sedierung
  3. OP-Dauer: 60–90 Minuten für beide Seiten
  4. Verband: Kopfverband für 7–10 Tage postoperativ
  5. Stirnband: Nacht-Stirnband für 4–6 Wochen zum Schutz
  6. Ergebnis: Endgültig nach 3–6 Monaten, wenn alle Schwellungen abgeklungen sind

Kosten des Ohrenanlegens

LeistungKosten
Otoplastik (beide Ohren, Erwachsene)2.500–4.500 €
Otoplastik (beide Ohren, Kinder)2.000–4.000 €
Einseitige Korrektur1.500–3.000 €

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Kinder bis 14 Jahre, wenn der Eingriff medizinisch notwendig ist (nachgewiesene psychische Belastung). Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die Kosten bei medizinischer Indikation. Bei rein ästhetischer Motivation tragen Erwachsene die Kosten selbst.

Krankenkasse: Wann wird die OP bezahlt?

Bei Kindern unter 14 Jahren übernehmen viele gesetzliche Kassen die Kosten, wenn:

  • Abstehwinkel beider Ohren über 30° beträgt
  • Dokumentierte psychische Belastung (z. B. Schulprobleme, Hänseleien)
  • Kinderpsychologe oder Kinderarzt bestätigt die Indikation

Bei Erwachsenen ist eine Kostenübernahme durch die GKV in der Regel nicht möglich.

Risiken und Komplikationen

  • Nachblutungen (selten, gut behandelbar)
  • Infektionen (bei 1–2 % der Eingriffe)
  • Asymmetrie – ein Ohr liegt anders als das andere
  • Rückfall – Ohren stehen erneut ab (bei Nahtdurchschneidung)
  • Sichtbare Narben hinter dem Ohr (bei sehr dünner Haut)
  • Taubheitsgefühl oder veränderte Sensibilität (temporär)

Häufige Fragen zum Ohrenanlegen

Ist die OP schmerzhaft?

Der Eingriff selbst ist unter Anästhesie schmerzfrei. Nach der OP sind Spannungsgefühle und ein leichtes Druck­gefühl normal, die sich mit üblichen Schmerzmitteln gut kontrollieren lassen. Starke Schmerzen sind selten.

Wie lange dauert die Erholung?

Nach 7–10 Tagen kann der Kopfverband abgenommen werden. Schule oder Büro können in der Regel nach 1–2 Wochen wieder besucht werden. Kontaktsport und Aktivitäten mit Sturzgefahr sollten 4–6 Wochen vermieden werden.

Sind die Narben sichtbar?

Der Einschnitt erfolgt hinter dem Ohr in der natürlichen Hautfalte. Die Narben sind bei normaler Haltung nicht sichtbar und verblassen in der Regel gut.

Können die Ohren nach der OP wieder abstehen?

In ca. 3–5 % der Fälle können die Ohren erneut leicht abstehen (Rückfall), wenn Nähte sich lösen. Eine Korrektur ist möglich. Bei korrekter Technik und sorgfältiger Nachsorge (Schutzzband nachts) ist das Risiko gering.

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